3. FASTENSONNTAG

EVANGELIUM nach Joh (4,5-42):

Der schon verstorbene Psychotherapeut Viktor Frankl zitierte einmal einen interessanten Briefabschnitt eines jungen Mannes, in dem dieser sagt: „Ich bin zweiundzwanzig Jahre alt, besitze einen akademischen Grad, besitze einen luxuriösen Wagen, bin überhaupt finanziell unabhängig, und es steht mir mehr Sex und mehr Prestige zu Verfügung, als ich verkraften kann. Was ich mich frage ist nur, was das alles für einen Sinn haben soll.“ Ja, es ist so: Wir leben in einer Zeit und in einer Gesellschaft, wo wir praktisch alles haben, was wir brauchen. Sind wir deswegen zufriedene Menschen?

Wir haben bestimmte Wünsche, wir verlangen danach etwas Bestimmtes zu erwerben, zu erfahren, zu tun. Aber kaum ist dieser Wunsch erfüllt, entstehen schon neue Wünsche. Was ist es, das uns so vorantreibt? Eine Sehnsucht nach innerem Frieden, Geborgenheit, Glück, Lebenserfüllung? Das Wort „Erfüllung“ weist darauf hin, dass wir uns „füllen“, „voll“ machen wollen, weil wir eine innere Leere spüren, einen inneren Mangel. So ergeht es auch der Frau im Evangelium.

Zunächst einmal fällt hier die Haltung von Jesus Frauen gegenüber auf. Er durchbricht einige Tabus seiner Zeit und seiner Gesellschaft. Er spricht eine Frau ganz persönlich in der Öffentlichkeit an, und er geht auf sie ein, führt sogar ein Glaubensgespräch mit ihr, nimmt sie ernst, ohne sie moralisch zu beurteilen. Darüber hinaus ist sie eine Samariterin, also mit den Juden verfeindet.

Der Jude Jesus bittet sie zuerst um Wasser, und dann wird das Gespräch zu einem Glaubensgespräch: Soll man Gott auf dem Berg Garizim anbeten, wie es die Samariter behaupten, oder im Tempel von Jerusalem, wie es die Juden behaupten?

Aber Jesus geht noch weiter. Er will diese Frau nicht nur auf einer allgemein-theologischen Ebene ansprechen, sondern er will sie in ihrem tiefsten Inneren erreichen. Er möchte, dass sie zu einer neuen Sichtweise ihres Lebens kommt.

Fünfmal war sie verheiratet, und der, mit dem sie jetzt zusammenlebt, ist nicht ihr Mann. Diese Frau wird von einer Lebensgier, einem Lebensdurst getrieben. Ist sie ein Beispiel dafür, dass das rein menschliche Leben — auch nach der Ausschöpfung aller Möglichkeiten — letztlich doch unerfüllt bleibt?

Wonach dürstet es mich? Nach Anerkennung, nach Ehre, nach Ruhm, nach Bestätigung, nach Spaß, nach Vergnügen? Und betrachte ich das alles als mein Verlangen „glücklich“ zu sein?

Jesus verspricht : „Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird nie mehr Durst haben. Ich gebe ihm Wasser, das in ihm zu einer Quelle wird, die bis ins ewige Leben weitersprudelt.“ Glaube ich, dass Jesus meine tiefste Sehnsucht, meinen Durst nach Leben stillen kann? Mache ich die Erfahrung, dass mein Glaube an ihn meine innere Leere füllt? Hilft mir mein Glaube an Jesus und dadurch an Gott „intensiver“ und „beglückter“ zu leben? Ist Jesus für mich Quelle lebendigen Wassers?

Das wird davon abhängen, wie meine Beziehung zu Jesus ist: Oberflächlich, nur vorübergehend oder tiefer und immer mehr vertiefungsbedürftig? Was tue ich, um meine Beziehung zu Jesus zu pflegen, lebendig zu erhalten? Bete ich täglich? Versuche ich ihn noch besser kennenzulernen? Trinke ich von dem Wasser, dass Jesus uns geben will, damit wir zu einem erfüllten Leben finden können? Ist nicht das gemeint, wenn wir Jesus , den „Retter der Menschen“, den „Erlöser“ nennen - so wie es am Ende der Erzählung die Menschen aus dem Dorf der Samariterin sagen, nachdem sie Jesus besser kennen gelernt haben?

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